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von sichartZuletzt verändert: 04.01.2007 12:25

Wir wissen nicht, warum Kassel nach der Zerstörung der Stadt 1943 vergaß, sich als Stadt am Fluss zu begreifen. Der Fluss und das dazugehörende Stadtleben am Fluss wurde nicht mehr als Gestaltungschance und besonderer Wert begriffen, mit dem es zu wuchern gilt, sondern als verkehrstechnisches, kostentreibendes Hindernis beim Aufbruch in die neue Zeit.

Vergessene Orte – entstanden in der Innenstadt. Wo vordem dichte Bebauung vorherrschte, erstreckten sich Brachen, Wiesen, Ruinen und Parkflächen am Flussufer, wenig, oder überhaupt nicht erschlossen für den Verkehr. Neue Trassen wurden erschlossen (siehe Friedrichsplatz, Steinweg, Brüderstrasse). Man wollte die Vergangenheit, die historische Altstadt hinter sich lassen. Eine neue, eine moderne Stadt sollte auf den Trümmern der kurhessischen Residenzstadt entstehen.

Manch städtebaulicher Entwurf gelang, wie das AOK-Gebäude an der Schönen Aussicht. Doch in der Regel wurden teilweise mutige Planungen durch Geldmangel und Einfalt erstickt, wie der Neubau des Staatstheaters. Heraus kam eine Stadt, die es seinen Bewohnern bis in die 70er Jahre hinein schwer machte, sich in ihr heimisch zu fühlen. Die Gesamthochschule Kassel und heutige Universität entstand; sie wuchs schnell, zog Professoren und Studenten in die Stadt an der innerdeutschen Grenze – und viele blieben, freundeten sich mit der Stadt am „Zonenrand“ an und überlegten, was man aus dieser abseits gelegenen Großstadt im Norden Hessens machen könnte.

Ende der 80er Jahre kam die Wende. Wo sich vor der Zerstörung Kassels zweitältester Stadtteil, die Unterneustadt befand, lag eine öde Fläche nahe der Stadtmitte, die temporär als Rummelplatz und weiträumiger Pendlerparkplatz genutzt wurde. Erste Entwürfe entstanden, wie diese Freifläche wieder urbanen Charakter bekommen könnte. In den 90er Jahren wurde das Kerngebiet der Unterneustadt schließlich bebaut, ein erster Schritt zur „Stadt am Fluss“. Geldmangel und mangelnder Gestaltungswille behindern seither die Fortentwicklung der Stadt am Fluss. Der erste Schritt – die „Wiederbegründung der Unterneustadt“ – hat vielen Bewohnern Appetit auf ein Leben am Fluss gemacht. Der Appetit ist noch nicht gestillt.

Wir wollen, dass daraus Hunger wird und daß der Fluss als Lebensader der Stadt wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit in Kassel rückt und die Stadt mit diesem Pfund wuchert. Dazu zählt es, bislang noch vergessene Orte entlang der Fulda wiederzuentdecken und kulturelles (Er-)Leben zu gestalten. Dieser Aufgabe widmet sich StadtLeben am Fluss.

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Bürgertreffen Willi-Seidel-Haus, Kassel,
17.09.2010
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